Audiothek

Pferd und Reiterin auf dem Riesenrad

24. April 1914 · Die Neue Zeitung
Stefan Franke

Gelesen von Stefan Franke

Eine Kinoaufnahme im Prater.

Dieser Tage gab es in der Umgebung des Pratersterns wiederholt großes Aufsehen. Man beobachtete nämlich eine Szene, die sich in ziemlicher Höhe des Riesenrades täglich zu bestimmten Stunden abspielte.

Auf einem der Waggons des Riesenrades befand sich eine vergitterte Zelle, in die ein lebendes Pferd gehoben wurde. Eine als Schulreiterin kostümierte Dame bestieg sodann das Pferd und das Riesenrad setzte sich in Bewegung, bis der Waggon, auf dessen Dach das Pferd und die Reiterin standen, sich in beträchtlicher Höhe befand.

Der Anblick der scheinbar ganz freistehenden Gruppe war ein überwältigender, da die Sicherheit der Dame hauptsächlich von dem ruhigen Verhalten des allerdings abgerichteten Zirkuspferdes abhing. Eine Menge unten stehender Statisten hatten inzwischen die Aufgabe, die – Kinoaufnahme, denn um eine solche handelte es sich, durch entsprechende Mimik zu unterstützen.

Oben angelangt, wurde dann ein aus Papiermaché imitiertes Pferd und eine die Reiterin darstellende Puppe herabgeschleudert. Alle diese "Effeke" galten der Aufnahme einer "dramatischen" Szene, die in dem tragischen Schicksal einer zu Pferd auf das Riesenrad gekletterten Artistin gipfelt.

Das lebende Pferd auf dem Dache des Waggons des Riesenrades und seine Reiterin lockten Tausende von Neugierigen an.