Gelesen von Stefan Franke
Ein Leser schreibt uns:
Da gegenwärtig wieder häufig von der Tramway die Rede ist, so würden Sie viele Bewohner der Stadt verbinden, wenn Sie neuerdings darauf dringen wollten, dass endlich das sinnlose, ohrenmörderische Geklingel der Pferdebahn abgestellt werde.
Welchen Zweck kann dieses Geklingel haben? Um einen zerstreuten oder zaudernden Fußgänger aufmerksam zu machen, dazu genügt die Signalpfeife vollkommen, von welcher ja jetzt auch ausgiebiger Gebrauch gemacht wird. Ja, nur dieser Pfiff nützt, denn das fortwährende Geklingel macht niemanden mehr aufmerksam, weil es eben fortwährend zu hören ist und uns den ganzen Tag in den Ohren liegt.
In allen Großstädten, in Berlin, München, Pest, Paris etc. behilft man sich ohne dieses Geklingel, das nur für Schlitten passt und eine unnütze neue Qual für das ohnehin sattsam gemarterte Ohr des Großstädters ist. Also diese Plage muss aufhören, am besten gleich! Vollends aber dann, wenn Ihr Begehren nach Vermehrung der Tramwaywaggons erfüllt wird.
Wenn einmal, wie es in Ihrer Notiz verlangt wurde, die Waggons „hier rasch hintereinander fahren“ und das rasende Geklingel beibehalten wird - denken Sie sich diese ewige Ohrenqual! Jetzt schon ist dadurch der einzige Winterspaziergang, den die Wiener haben – den um die Ringstraße – eine wahre Marter der Gehörsnerven.
In Wien, der Stadt der Musik, sollte man hierin doch mehr Einsicht haben und die musikalischen wie die unmusikalischen Ohren von dem ewigen, zwecklosen Gebimmel und Geklingel endlich befreien.