1
00:00:03,807 --> 00:00:04,320
[Musik]

2
00:00:04,320 --> 00:00:10,680
Wien war diesen Sommer wieder voll mit Touristen. 
Es werden immer neue Hotels gebaut, um den nicht

3
00:00:10,680 --> 00:00:17,120
enden wollenden Ansturm auf die österreichische 
Hauptstadt zu bewältigen. Grund genug,

4
00:00:17,120 --> 00:00:23,920
uns in der heutigen Folge mit Morden in Hotels 
zu beschäftigen. Und damit sage ich, Stefan Franke,

5
00:00:23,920 --> 00:00:28,400
hallo und herzlich willkommen bei 
den „Monarchie-Morden“, dem Podcast,

6
00:00:28,400 --> 00:00:35,520
in dem ich in alten Zeitungen schmökere und Berichte 
über diverse Bluttaten und Verbrechen aus deutschen

7
00:00:35,520 --> 00:00:41,560
und österreichischen Zeitungen präsentiere. 
Als Hinweis und Warnung sei an dieser Stelle

8
00:00:41,560 --> 00:00:49,040
angemerkt: Der Podcast behandelt reale Taten, 
Morde und Selbstmorde und ist daher für Kinder

9
00:00:49,040 --> 00:00:55,600
sowie Menschen, die mit diesen Themen lieber nicht 
in Berührung kommen wollen, nicht geeignet. Ja,

10
00:00:55,600 --> 00:01:01,880
was erwartet sie heute? Ein paar Kurzmeldungen 
aus Deutschland. Interessanterweise habe ich da

11
00:01:01,880 --> 00:01:07,400
keine längeren Berichte über Mörder in Hotels 
gefunden. Ganz anders die Situation in den

12
00:01:07,400 --> 00:01:14,720
österreichischen Zeitungen, da wird seitenweise 
und in allen Details über diverse Morde in Hotels

13
00:01:14,720 --> 00:01:22,800
berichtet. Drei tragische Liebesdramen sind dabei, 
wo sich Pärchen gemeinsam das Leben genommen haben

14
00:01:22,800 --> 00:01:30,880
und ein Mord an der Prostituierten namens „Schmidt-Mizzi“ 
in einem Wiener Stundenhotel. Aber beginnen

15
00:01:30,880 --> 00:01:39,640
wollen wir heute in Salzburg. Dort ist in einem 
Hotel ein Ehepaar aus Berlin abgestiegen. „Mord und

16
00:01:39,640 --> 00:01:48,680
Selbstmord in einem Salzburger Hotel“, Reichspost, 
13. Februar 1913. Aus Salzburg wird uns vom 12.

17
00:01:48,680 --> 00:01:54,880
Februar geschrieben. Am 9. des Monats mietete 
sich in einem hiesigen Hotel ein Ehepaar aus

18
00:01:54,880 --> 00:02:01,480
Berlin ein, das sich als Kurt Schmidt und Frau 
eintrug. Das Paar, an dem nichts Auffälliges

19
00:02:01,480 --> 00:02:07,840
zu bemerken war, pflegte täglich ziemlich lange zu 
schlafen. Als es sich jedoch heute auch zum Mittag

20
00:02:07,840 --> 00:02:14,800
nicht sehen ließ, wurde Nachschau gehalten, die 
Zimmertür aber trotz allen Pochens nicht geöffnet.

21
00:02:14,800 --> 00:02:21,560
Es wurde nun ein Schlosser geholt, der die Tür 
aufsperrte und dann wurde das angebliche Ehepaar

22
00:02:21,560 --> 00:02:28,560
regungslos vorgefunden. Der Mann war bereits 
tot. Die Frau gab noch Lebenszeichen vor sich.

23
00:02:29,120 --> 00:02:33,600
Kurt Schmidt hatte sich eine Kugel in den Mund 
geschossen, nachdem er wahrscheinlich der Frau

24
00:02:33,600 --> 00:02:39,800
eine Kugel in die Schläfe gejagt hatte. Auf dem 
Nachtkästchen wurden zwei Briefe vorgefunden,

25
00:02:39,800 --> 00:02:45,640
von denen der eine an Hermann Georgi in Zwickau in 
Sachsen und der andere an Ernst Schmidt in Leipzig

26
00:02:45,640 --> 00:02:52,720
adressiert war. Der Mann dürfte der Zuschneider 
Max Georgi in Zwickau, dessen Frau dürfte die

27
00:02:52,720 --> 00:03:04,960
Gattin des erwähnten Ernst Schmid sein. Es 
dürfte sich um eine Liebestragödie handeln.

28
00:03:04,960 --> 00:03:11,400
[Musik]

29
00:03:11,400 --> 00:03:16,960
Mord und Suizid sind an sich schon tragisch, 
besonders erschütternd sind natürlich die Fälle,

30
00:03:16,960 --> 00:03:25,080
die offenbar aus der Verzweiflung verliebter Paare 
entstanden sind. Auch in Wien gab es im neunten

31
00:03:25,080 --> 00:03:34,640
Bezirk in der Liechtensteinstraße so einen Fall. 
„Mord in einem Hotel“, Linzer Volksblatt, 27. August

32
00:03:34,640 --> 00:03:42,120
1909. Aus Wien wird über den schon gemeldeten 
Mord im Hotel Pucher, 9. Bezirk, weitergemeldet:

33
00:03:42,640 --> 00:03:48,280
Die Identität der beiden Leute wurde bereits 
festgestellt. Er ist der Schlosser der

34
00:03:48,280 --> 00:03:55,560
k. k. Staatsbahnen, Adolf Gröger, 
Alsergrund, Lazarettgasse Nr. 41 wohnhaft. Sie,

35
00:03:55,560 --> 00:04:02,560
die Tochter Karoline eines Werkmannes namens 
Karl Zeller in Böhmzeil bei Gmünd. Nach

36
00:04:02,560 --> 00:04:07,920
hinterlassenen schriftlichen Aufzeichnungen 
dürfte sie mit ihrem Einverständnis von Gröger

37
00:04:07,920 --> 00:04:13,800
ermortet worden sein. Gröger hinterließ 
einen Brief, in dem er bekannt gibt, dass

38
00:04:13,800 --> 00:04:20,760
er sich anderwärts gleichfalls das Leben nehmen 
werde. Er ist ungefähr 25 Jahre alt, mittelgroß,

39
00:04:20,760 --> 00:04:28,760
hat dunkelblondes Haar, kleinen Schnurrbart und 
trug dunklen Sakkoanzug und weichen Hut. Obwohl die

40
00:04:28,760 --> 00:04:34,840
Motive des Mordes noch nicht ganz klargelegt sind, 
ist es doch wahrscheinlich, dass unglückliche

41
00:04:34,840 --> 00:04:43,960
Liebe das Motiv war. Adolf Gröger ist am 22. 
Juli 1885 zu Slatin in Schlesien geboren. Seine

42
00:04:43,960 --> 00:04:50,800
Eltern sind sehr anständige, brave Leute und auch 
über ihn ist bisher keine Klage laut geworden. Er

43
00:04:50,800 --> 00:04:56,880
galt als fleißig und arbeitsam und hat zu Karoline 
Zeller, die hier als Stubenmädchen im Dienst war,

44
00:04:56,880 --> 00:05:03,920
eine tiefe Neigung gefasst. Auch das Mädchen war 
sehr fleißig und sparsam. Sie hatten sich gestern

45
00:05:03,920 --> 00:05:09,280
abends wahrscheinlich schon zu dem Zwecke 
getroffen, um gemeinsam zu sterben. Die Tat

46
00:05:09,280 --> 00:05:15,520
selbst scheint erst um 8 Uhr früh verübt worden zu 
sein. Bald nachher hat nämlich das Zimmermädchen

47
00:05:15,520 --> 00:05:22,000
den Gröger fortgehen gesehen. Sie merkte ihm 
nichts an und er sagte ihr noch im Vorbeigehen,

48
00:05:22,000 --> 00:05:30,080
er habe zu tun, seine Frau schlafe noch, man 
möge sie nicht stören. Um halb 10 Uhr entschloss man sich,

49
00:05:30,080 --> 00:05:37,080
da die Frau nicht sichtbar wurde, doch zu klopfen. 
Als nicht geöffnet wurde, trat das Personal in

50
00:05:37,080 --> 00:05:44,200
das halbdunkle Zimmer und fand die vermeintliche 
Frau Bauer mit durchgeschnittenem Halse im Bette.

51
00:05:45,160 --> 00:05:49,880
Wie ferner gemeldet wird, begab sich das Paar 
vor einigen Tagen nach Gmünd, wo die Zeller

52
00:05:49,880 --> 00:05:55,840
ihren Eltern ihren Bräutigam vorstellen und von 
ihnen die Erlaubnis zur Heirat erbitten wollte.

53
00:05:56,400 --> 00:06:03,120
Nun war kurz vorher der Dienstgeberin der 
Zelle ein Brillantring abhanden gekommen und

54
00:06:03,120 --> 00:06:07,760
obwohl die Zeller nicht der geringste 
Vorwurf traf, fanden sich doch Leute,

55
00:06:07,760 --> 00:06:14,160
die nichts Eiligeres zu tun hatten, als ihren 
Eltern in einem anonymen Briefe mitzuteilen,

56
00:06:14,160 --> 00:06:22,840
dass sie den Ring gestohlen habe. Als dann das 
Paar nach Gmünd kam, wurde ihm ein derartig frostiger

57
00:06:22,840 --> 00:06:30,360
Empfang zu Teil, dass es ganz niedergeschlagen und 
verzweifelt sofort wieder abreiste. In Wien kehrte

58
00:06:30,360 --> 00:06:36,920
die Zeller nicht mehr an ihren Dienstort zurück. 
Sie blieb bei ihrer früheren Bettfrau. Montag und

59
00:06:36,920 --> 00:06:43,720
Dienstag machte sie mit ihrem Bräutig Ausflüge in 
die Umgebung Wiens. Der Brief, den Gröger an seine

60
00:06:43,720 --> 00:06:51,640
Eltern richtete, hat folgenden Wortlaut: „Liebste 
Eltern, seid mir nicht böse, dass ich euch das antue,

61
00:06:51,640 --> 00:06:57,680
denn ich habe auf derer Welt nichts mehr verloren. 
Bis ihr den Brief bekommt, bin ich schon mit der

62
00:06:57,680 --> 00:07:05,480
Lina nicht mehr am Leben. Das eine bitte ich euch, 
wenn wir gefunden werden, um ein gemeinsames Grab.

63
00:07:05,480 --> 00:07:13,200
Der Herr Zeller ist schon verständigt. Es grüßt 
euch nochmals herzlich euer unglücklicher Adolf.“

64
00:07:14,000 --> 00:07:21,840
Ein Postskriptum besagt: „In meinem Börsel sind 
genau 12 Kronen. Vater, ich bitte Sie nochmals um

65
00:07:21,840 --> 00:07:29,320
eine Leiche mit Musik und ein gemeinsames 
Grab.“ Eine zweite Nachschrift lautet:

66
00:07:29,320 --> 00:07:35,240
„Die … ist an allem Schuld.“ Gröger 
meint damit die Dienstgeberin der Zeller und gibt

67
00:07:35,240 --> 00:07:41,520
dadurch indirekt der Geschichte mit dem verlorenen 
Ring die Schuld. Auf dem Kuvert des Briefes steht

68
00:07:41,520 --> 00:07:48,640
der Vermerk: „Ich kann mich hier nicht umbringen. 
Ich tue es anderswo.“ Der zweite Brief, der sich

69
00:07:48,640 --> 00:07:55,240
vorfand, ist an die Eltern der Zeller gerichtet. 
Er rührt auch von Grögers Hand her, ist aber von

70
00:07:55,240 --> 00:08:03,160
ihm und der Zeller unterschrieben. Es heißt darin: 
„Lieber Herr Zeller, ich teile Ihnen in kurzem mit,

71
00:08:03,160 --> 00:08:09,400
dass ich mit der Lina ein Ende gemacht habe.“ Das 
Instrument, mit dem Gröger die Zeller förmlich

72
00:08:09,400 --> 00:08:16,680
abschlachtete, ist bis jetzt noch nicht gefunden. 
Es dürfte ein sogenanntes Bademesser gewesen sein.

73
00:08:16,680 --> 00:08:22,080
Es ist dies ein Messer, das jeder Marinesoldat 
beim Eintritt erhält und das er auch bei der

74
00:08:22,080 --> 00:08:30,120
Beurlaubung behalten kann. Diese Bademesser sind 
ziemlich große, starke Instrumente und wohlgeeignet,

75
00:08:30,120 --> 00:08:36,440
damit den furchtbaren Schnitt zu führen. Adolf 
Gröger hat die von ihm schriftlich ausgesprochene

76
00:08:36,440 --> 00:08:42,520
Absicht, sich anderswo zu töten wahr gemacht 
und eine noch grauenvollere Todesart gewählt,

77
00:08:42,520 --> 00:08:48,680
als sein unglückliches Opfer – den Tod 
auf den Schienen. Spätnachts erhielt die

78
00:08:48,680 --> 00:08:54,200
Polizeidirektion aus Kritzendorf an der Franz 
Josefs-Bahnstrecke die telefonische Meldung des

79
00:08:54,200 --> 00:09:01,240
dortigen Stationsvorstandes, das soeben von einem 
auf voller Fahrt begriffen aus Wien kommenden Zuge

80
00:09:01,240 --> 00:09:07,640
ein Mann auf das Geleise gesprungen und unter 
die Räder geraten sei. Der Zug schnitt ihm beide

81
00:09:07,640 --> 00:09:13,160
Beine vollständig ab. Lebensgefährlich 
verletzt, doch noch bei Bewusstsein,

82
00:09:13,160 --> 00:09:19,120
wurde der Mann aufgefunden und gab an, dass er 
der von Wien aus verfolgte Mörder Adolf Gröger

83
00:09:19,120 --> 00:09:32,880
sei. Er wurde verbunden und ins Spital 
gebracht. Sein Zustand ist hoffnungslos.

84
00:09:38,240 --> 00:09:39,240
[Musik]

85
00:09:39,240 --> 00:09:44,040
Tja, und als ob der so eben gehörte 
Fall nicht schon traurig genug wäre,

86
00:09:44,040 --> 00:09:52,080
noch einen Nachtrag aus der Arbeiter-Zeitung vom 
30. August 1909. Dort finden wir eine ganz kurze

87
00:09:52,080 --> 00:09:59,280
Notiz unter dem Titel „Das Liebesdrama im Hotel 
Pucher“: Karoline Zeller wurde gestern auf dem

88
00:09:59,280 --> 00:10:06,360
Zentralfriedhof, Gröger in Klosterneuburg beerdigt. 
Ja, auch der letzte Wunsch wurde ihnen nicht

89
00:10:06,360 --> 00:10:14,720
gewährt. Auch im nächsten Fall handelt es sich um 
ein Liebesdrama. Diesmal im 12. Bezirk von

90
00:10:14,720 --> 00:10:24,640
Wien, in Meidling. „Liebesdrama in einem Hotel.“, 
Illustrierte Kronen-Zeitung, 10. September 1913.

91
00:10:24,640 --> 00:10:31,800
Mord und Selbstmordversuch. In einem Hotel in 
der Dunklergasse in Meidling hat sich gestern

92
00:10:31,800 --> 00:10:39,040
ein blutiges Liebesdrama abgespielt. Ein Mädchen 
wurde erschossen aufgefunden. Ihr Begleiter war

93
00:10:39,040 --> 00:10:44,800
durch einen Schuss in die rechte Schläfe 
lebensgefährlich verletzt und bewusstlos.

94
00:10:44,800 --> 00:10:49,680
Nach dem Lokalaugenschein und den zutage 
getretenen Umständen ist es wahrscheinlich,

95
00:10:49,680 --> 00:10:54,760
dass der Mann das Mädchen erschossen hat und dann 
sich selbst zu töten versuchte, wenn auch in einem

96
00:10:54,760 --> 00:11:01,240
zurückgelassenen Brief für das Mädchen mitteilt, 
dass es freiwillig in den Tode gehe. Wir erfahren

97
00:11:01,240 --> 00:11:10,320
zu dem Liebesdrama folgende Einzelheiten: 
Das „Ehepaar Jungwirth“ – ein lustiges Paar.

98
00:11:10,320 --> 00:11:17,640
Dienstag gegen 9:30 Uhr Abends kam in das erwähnte 
Hotel ein Paar, ein Mann, ungefähr 25 Jahre alt,

99
00:11:17,640 --> 00:11:24,680
ein Mädchen ca. 20 Jahre alt. Sie verlangten ein 
Zimmer, das ihnen im ersten Stockwerke angewiesen

100
00:11:24,680 --> 00:11:30,920
wurde. Bevor sie sich in das Zimmer zurückzogen, 
trug der Mann sich und seine Begleiterin in das

101
00:11:30,920 --> 00:11:37,240
Fremdenbuch als „Ehepaar Jungwirth“ ein. Das 
Ehepaar schien sehr guter Laune, war sehr

102
00:11:37,240 --> 00:11:43,640
vergnügt und während der Mann die Eintragung im 
Fremdenbuch besorgte, scherzte die Frau mit ihm.

103
00:11:44,280 --> 00:11:49,920
Ohne weiter etwas zu verlangern oder bezüglich des 
Frühstücks etwas anzuordnen, zog sich das Paar in

104
00:11:49,920 --> 00:11:57,720
das angewiesene Zimmer zurück. Verdächtiges 
Stillschweigen. Es fiel nun auf, dass gestern

105
00:11:57,720 --> 00:12:05,400
morgens und auch später am Vormittag sich in dem 
von dem Paare bezogenen Zimmer nichts rührte.

106
00:12:05,400 --> 00:12:11,680
Ein Stubenmädchen klopfte gegen 10 Uhr an die 
Türe des Zimmers, erhielt jedoch keine Antwort.

107
00:12:11,680 --> 00:12:17,120
Das Stubenmädchen machte der Hotelbesitzerin 
nun Mitteilung, und diese selbst klopfte nun

108
00:12:17,120 --> 00:12:24,640
an die Zimmertüre und verlangte energisch, 
dass geöffnet werde. Etwas später klirrte der

109
00:12:24,640 --> 00:12:34,160
Schlüssel im Schlosse und die Türe, dem Druck 
nachgebend, öffnete sich. Tot und sterbend.

110
00:12:35,000 --> 00:12:40,320
Als man das Zimmer betrat, fand man das Mädchen 
auf dem Boden neben dem Bette liegend mit einer

111
00:12:40,320 --> 00:12:46,320
Schusswunde in der linken Schläfe tot auf. Der 
Mann saß unweit von der Leiche auf dem Boden,

112
00:12:46,320 --> 00:12:51,840
Rücken und Kopf gegen einen Kasten gelehnt. Er 
blutete aus einer Schusswunde in der rechten

113
00:12:51,840 --> 00:13:00,080
Schläfe und war bewusstlos. Seine Verletzung 
ist eine lebensgefährliche. Wer sind Sie?

114
00:13:00,680 --> 00:13:05,400
Rettungsgesellschaft und Polizei wurden 
verständigt und bald darauf erschien eine Ambulanz

115
00:13:05,400 --> 00:13:10,880
und eine Kommission des Polizeikommissariats 
Meidling im Hotel. Der schwer verletzte Mann

116
00:13:10,880 --> 00:13:17,240
wurde verbunden und ins Sophienspital gebracht. 
Schon nach den ersten Erhebungen war es klar,

117
00:13:17,240 --> 00:13:23,400
dass der Name Jungwirth, den sich das Paar gegeben 
hatte, ein falscher und dass die beiden nicht

118
00:13:23,400 --> 00:13:29,480
miteinander verheiratet seien. Ein Abschiedsbrief, 
der auf dem Tische lag und den das Mädchen an

119
00:13:29,480 --> 00:13:37,200
ihre Familie gerichtet hatte, brachte die erste 
Aufklärung. Die Tote ist die 19-jährige Modistin

120
00:13:37,200 --> 00:13:45,200
Adele Tomaschek, Margareten, Reinprechtsdorferstraße 
12 wohnhaft gewesen. In dem Briefe bittet sie ihre

121
00:13:45,200 --> 00:13:51,440
Angehörigen um Verzeihung wegen des Schrittes, den 
sie getan und den sie mit ihrem Leiden begründet.

122
00:13:51,440 --> 00:13:58,080
Es seien auch noch „andere Gründe“ maßgebend 
gewesen, fügt sie hinzu. Der Mann ist der

123
00:13:58,080 --> 00:14:05,920
25-jährige Karl Pabesch, Margareten, Brauhausgasse 
45, wohnhaft. Die beiden haben sich erst seit

124
00:14:05,920 --> 00:14:12,560
einigen Wochen gekannt. Adele Tomaschek, die 
von Bekannten als ruhiges, fast verschlossenes

125
00:14:12,560 --> 00:14:17,600
Mädchen geschildert wird, war, trotzdem sie 
an der rechten Hand teilweise gelähmt war,

126
00:14:17,600 --> 00:14:22,920
eine tüchtige Arbeiterin, da sie im Laufe der 
Jahre in der Verwendung der linken Hand bei

127
00:14:22,920 --> 00:14:29,320
der Arbeit eine besondere Geschicklichkeit erlangt 
hatte. Sie war schon seit einiger Zeit leidend und

128
00:14:29,320 --> 00:14:35,480
hatte bereits zwei ziemlich schwere Operationen 
überstanden. Ihr Leiden, ebenso wie die

129
00:14:35,480 --> 00:14:41,080
Aussichtslosigkeit ihrer Liebe zu Pabesch, der in 
absehbarer Zeit nicht daran hätte denken können,

130
00:14:41,080 --> 00:14:47,200
einen Hausstand zu gründen, dürften dem jungen 
Mädchen den Gedanken nahe gebracht haben, zu

131
00:14:47,200 --> 00:14:53,960
sterben. Die Staatsanwaltschaft hat die Obduktion 
der Leiche des Mädchens angeordnet. Der Zustand

132
00:14:53,960 --> 00:15:00,720
des Pabesch hat ein Einvernehmen noch nicht 
möglich gemacht. Karl Pabesch ist Klavierlehrer,

133
00:15:00,720 --> 00:15:06,560
hatte jedoch zu seinem Berufe keine besondere 
Lust. Er wollte sich zum Opernsänger ausbilden

134
00:15:06,560 --> 00:15:12,560
und erzählte in Freundeskreisen, dass er bereits 
ein Engagement an einer Opernbühne erhalten habe.

135
00:15:12,560 --> 00:15:18,160
Auch er hat einen Brief hinterlassen, den 
auch die Tomaschek mitunterschrieben hat. In

136
00:15:18,160 --> 00:15:25,480
diesem Briefe erklären sie, ohne besondere Gründe 
anzuführen, gemeinsam in den Tod gehen zu wollen.

137
00:15:25,480 --> 00:15:37,680
Beide waren sehr nervös und aufgeregt, was für die 
Ausführung der Tat mitbestimmend gewesen sein mag.

138
00:15:43,200 --> 00:15:44,200
[Musik]

139
00:15:44,200 --> 00:15:49,120
Falls Sie übrigens in Wien wohnen 
oder am 2. Oktober in Wien sind,

140
00:15:49,120 --> 00:15:53,680
habe ich da einen interessanten 
Veranstaltungshinweis für Sie. Ich

141
00:15:53,680 --> 00:16:00,160
lese im Wiener Kriminalmuseum alte 
Zeitungsberichte aus dem Jahr 1888

142
00:16:00,160 --> 00:16:07,280
über Jack the Ripper und dazu gibt's noch eine 
spezielle Themenführung über Serienmörder:innen

143
00:16:07,280 --> 00:16:13,880
in den Räumlichkeiten des Kriminalmuseums. 
Ja, alle Details finden Sie entweder auf der

144
00:16:13,880 --> 00:16:21,640
Website des Kriminalmuseums oder auf meiner 
Website www.stefanfranke.at.

145
00:16:21,640 --> 00:16:27,400
Die heutige Podcast-Folge ist ja sehr 
österreichlastig. Ich habe leider einfach keine

146
00:16:27,400 --> 00:16:34,160
Fälle aus Deutschland gefunden, aber über ein paar 
Kurzmeldungen aus deutschen Zeitungen bin ich dann

147
00:16:34,160 --> 00:16:45,400
zum Glück doch gestolpert. „Mord“ Liechtenstein 
Callenberger Tageblatt, 16. August 1912. Berlin. In

148
00:16:45,400 --> 00:16:52,080
einem Hotel am Anhalter Bahnhof erschoss gestern 
der 27 Jahre alte aus Dresden gebürtige Kaufmann

149
00:16:52,080 --> 00:17:01,280
Karl Berhardt seine Geliebte, die 25 Jahre alte 
Frieda Rüdiger aus Dresden und dann sich selbst.

150
00:17:01,280 --> 00:17:08,000
Man fand beide mit Schusswunden in den Schläfen 
tot im Bette liegend auf. Das Motiv zu der

151
00:17:08,000 --> 00:17:17,400
Tat ist unbekannt, doch vermutet man, dass es in 
Krankheit zu suchen ist. „Liebesdrama“, Westfälische

152
00:17:17,400 --> 00:17:27,600
Zeitung, 26. Juni 1915. München, 25. Juni. In 
einem hiesigen Hotel ist der 50-jährige Direktor

153
00:17:27,600 --> 00:17:33,960
Friedrich Ziegler aus Gelsenkirchen mit seiner 
35-jährigen Geliebten Rosa Schobert gemeinsam in

154
00:17:33,960 --> 00:17:41,760
den Tod gegangen. Beide sind aus Corbetha gebürtig. 
Die Frau hat sich mit Morphium vergiftet. Der Mann

155
00:17:41,760 --> 00:17:51,880
erhängte sich. Echo der Gegenwart, 30. September 
1910. Der Raubmörder Dick, der am 13. August

156
00:17:51,880 --> 00:17:57,680
des Jahres die Kellnerin Betty Drescher in einem 
Nürnberger Hotel ermordet hat und dann flüchtete,

157
00:17:57,680 --> 00:18:09,000
ist jetzt in Nischko in Galizien verhaftet worden. 
„Mord und Selbstmord“, Vorwärts, 4. Dezember 1903.

158
00:18:09,520 --> 00:18:17,200
In einem Hotel in Köln wurde vorgestern Nachmittag 
6 Uhr ein Mord und Selbstmord verübt. Ein

159
00:18:17,200 --> 00:18:22,600
feingekleideter Herr, der dort mit einer Dame 
aus Berlin Logis genommen und mittags noch mit

160
00:18:22,600 --> 00:18:28,760
seiner Begleiterin gespeist hatte, erschlug mit 
einem Hammer die Dame und tötete sich dann selbst

161
00:18:28,760 --> 00:18:36,960
durch einen Schuss in den Kopf. Und zu dieser 
letzten Meldung gibt es noch einen kurzen Bericht.

162
00:18:37,480 --> 00:18:46,120
„Mord im Hotel“, Hamburger Fremdenblatt, 6. 
Dezember 1903. Köln, 4. Dezember. Über dem in

163
00:18:46,120 --> 00:18:51,800
einem hiesigen Hotel vorgekommenen Mord und 
Selbstmord schwebt noch vollständiges Dunkel.

164
00:18:51,800 --> 00:18:56,800
Heute traf die Familie der ermordeten 
Berliner Dame ein, um Vorbereitungen zu

165
00:18:56,800 --> 00:19:03,320
deren Begräbnis zu treffen. Die Familienmitglieder 
verweigern jede Auskunft über die Identität der

166
00:19:03,320 --> 00:19:08,960
Ermordeten. Diese hatte sich am Tage vor 
der Tat mit dem Mörder im Hotel einlogiert

167
00:19:08,960 --> 00:19:15,400
und trug heiteres Wesen zur Schau. Im Besitz 
beider befanden sich nur geringe Barmittel.

168
00:19:15,400 --> 00:19:24,940
Im Koffer des Mörders wurden die 
verschiedensten Mordinstrumente entdeckt.

169
00:19:24,940 --> 00:19:30,840
[Musik]

170
00:19:30,840 --> 00:19:37,720
Der nächste Fall wurde meines Wissens nie 
aufgeklärt. Wir sind da in der Annagasse,

171
00:19:37,720 --> 00:19:43,240
einer Seitengasse der berühmten 
Kärntnerstraße im Zentrum von Wien,

172
00:19:43,240 --> 00:19:50,360
also dort, wo sich tagtäglich die zu Beginn 
erwähnten Touristenmassen schieben, und dort gibt

173
00:19:50,360 --> 00:19:57,280
es auch heute noch das Hotel Römischer Kaiser. 
Genauer gesagt nennt es sich heute Schlosshotel

174
00:19:57,280 --> 00:20:03,600
römischer Kaiser, hat vier Sterne und hat 
wahrscheinlich recht wenig mit dem Hotel Römischer

175
00:20:03,600 --> 00:20:11,200
Kaiser aus dem Jahr 1913 gemeinsam. Damals war es 
nämlich ein Stundenhotel und die Prostituierten,

176
00:20:11,200 --> 00:20:16,960
die sich in der Kärntnerstraße herumgetrieben 
haben, sind dort mit ihren Kunden auf ein paar

177
00:20:16,960 --> 00:20:25,880
Stunden hin verschwunden. Marie Schmidt macht das 
auch so, aber sie wird das Hotel an diesem Sonntag

178
00:20:25,880 --> 00:20:36,080
im Juni 1913 nie mehr lebend verlassen. „Raubmord 
an einem Mädchen in einem Stadthotel“, Wiener Montag,

179
00:20:36,080 --> 00:20:43,240
30. Juni 1913. In den frühen Morgenstunden des 
Sonntags ist in einer der kleinen Nebengassen

180
00:20:43,240 --> 00:20:49,880
der Kärntnerstraße, in der Annagasse, in einem 
Hotel, in dem Liebespärchen zu verkehren pflegen,

181
00:20:49,880 --> 00:20:55,680
eines jener Geschöpfe ermordet und beraubt worden, 
die man zur Nachtzeit in der Kärntnerstraße

182
00:20:55,680 --> 00:21:01,840
und ihre Umgebung herumschwärmern sieht. Die 
Unglückliche ist die unter sittenpolizeilicher

183
00:21:01,840 --> 00:21:09,280
Kontrolle stehende Marie Schmidt, Wieden, Rittergasse 
Nr. 6 wohnhaft. Sie hatte eine eigene Wohnung,

184
00:21:09,280 --> 00:21:16,120
eine bessere Klientel und lebte in geordneten 
Verhältnissen. Sie verfügte über ein namhaftes

185
00:21:16,120 --> 00:21:23,600
Kapital, das in der Sparkassa lag. Bisher ist der 
Täter unbekannt. Er hat jedenfalls mit dem Mädchen

186
00:21:23,600 --> 00:21:29,480
knapp vor der Tat Bekanntschaft auf der Straße 
geschlossen und die Schmidt in das Hotel geführt.

187
00:21:29,480 --> 00:21:36,440
Dort scheint er sie mit den bloßen Händen erwürgt 
zu haben. Als man sie fand, war sie schon tot,

188
00:21:36,440 --> 00:21:42,840
der Täter längst aus dem Hotel fort. Schon bei 
den früheren Morden an Mädchen jener Gattung

189
00:21:42,840 --> 00:21:49,160
wurde hervorgehoben, wie schwer gerade in solchen 
Kriminalfällen die behördliche Arbeit ist, da bei

190
00:21:49,160 --> 00:21:55,200
den vielen stets wechselnden Bekanntschaften der 
Kreis der in Betracht kommenden Personen sich kaum

191
00:21:55,200 --> 00:22:02,240
umgrenzen lässt. Was im Allgemeinen über derartige 
Fälle gesagt wurde, gilt im Besonderen für diesen

192
00:22:02,240 --> 00:22:09,480
Fall noch mehr, da ja das Mädchen nicht im eigenen 
Heim, sondern in einem von diesem sehr entfernten

193
00:22:09,480 --> 00:22:15,160
Hotel ermordet worden ist und außer einer 
ziemlich vagen Personbeschreibung keine andere

194
00:22:15,160 --> 00:22:21,720
Spur verfolgt werden kann. Mit fieberhaftem Eifer 
arbeitet die Polizeibehörde an der Aufhellung

195
00:22:21,720 --> 00:22:27,560
des Falles. In den ersten Morgenstunden des 
Sonntags schon waren Stadtkommissariat und

196
00:22:27,560 --> 00:22:33,960
Sicherheitsbüro mit allen verfügbaren Kräften mit 
der Nachforschung beschäftigt. Wir erfahren über

197
00:22:33,960 --> 00:22:42,560
den Fall folgende Details. Um halb 5 Uhr früh wurde gestern das 
Polizeikommissariat Innere Stadt von dem Hotel

198
00:22:42,560 --> 00:22:49,680
Römischer Kaiser in der Inneren Stadt, Annagasse, 
aus telefonisch aufgerufen. Die Mitteilung des

199
00:22:49,680 --> 00:22:56,520
Portiers Biermayer lautete, dass in dem Hotel 
auf Zimmer Nr. 18 eine im Hotel als ständige

200
00:22:56,520 --> 00:23:02,960
Besucherin wohl bekannte Frauensperson, die als 
„Schmidt-Mizzi“ bezeichnet wurde und mit einem Gast

201
00:23:02,960 --> 00:23:10,600
in das Hotel gekommen war, tot aufgefunden wurde. 
Der Journalbeamte Oberkommissär Dr. Albert Tauß

202
00:23:10,600 --> 00:23:17,480
begab sich sogleich mit einem Polizeiagentenpektor 
in das Hotel, ein uraltes Bauwerk, in das alsbald

203
00:23:17,480 --> 00:23:24,800
der Polizeirat Oberbezirksarzt Dr. Schild folgte. 
Im ersten Stockwerke des Hotels in einem großen

204
00:23:24,800 --> 00:23:33,240
Zimmer lag auf dem Bette nächst dem Fenster in 
elegantem Kostüm regungslos eine Frauensperson.

205
00:23:33,240 --> 00:23:39,800
Keine Blutspur, keine Verletzungen zeigten 
an, dass hier ein Mord geschehen ist. Die Frau

206
00:23:39,800 --> 00:23:45,560
lag leicht nach links zum Fenster geneigt auf den 
beiden Kissen, die ganz in Ordnung waren und keine

207
00:23:45,560 --> 00:23:53,400
Spur von Kampf zeigten. Der Polizeioberbezirksarzt 
untersuchte den Leib. Der Tod war zweifellos

208
00:23:53,400 --> 00:24:00,080
eingetreten. Oberkommissar Dr. Tauß leitete 
die ersten Erhebungen auf dem Tatorte. Er

209
00:24:00,080 --> 00:24:06,600
verständigte auch das Sicherheitsbüro. Alsbald 
fanden sich ein der Chef des Sicherheitsbüros

210
00:24:06,600 --> 00:24:13,160
Regierungsrat Stukart mit den Polizeikommissaren 
Dr. Wahl und Weinberger, der Polizeibezirksleiter

211
00:24:13,160 --> 00:24:19,920
der inneren Stadt, Regierungsrat Doleisch, der 
Chef der Polizeiagenten Polizeirat Nikles mit

212
00:24:19,920 --> 00:24:26,760
einer Anzahl Polizeiagenten. Auch Polizeipräsident 
Ritter von Brzesowsky fand sich im Hotel ein und

213
00:24:26,760 --> 00:24:32,880
wohnte den kriminellen Erhebungen bei. Infolge 
der frühen Morgenstunden hatte die mysteriöse

214
00:24:32,880 --> 00:24:39,400
Tat wenig Aufsehen hervorgerufen. Erst als die 
Polizeiagenten in die Umgebung ausgesandt wurden,

215
00:24:39,400 --> 00:24:44,600
um die Freundinnen und Berufsgenossinnen 
zu vernehmen und über ihre letzte Begegnung

216
00:24:44,600 --> 00:24:50,800
mit der Schmidt zu befragen, erregte die Tat 
einiges Aufsehen. Eine Anzahl Klientinnen der

217
00:24:50,800 --> 00:24:57,920
Kärntnerstraße wurde auch ins Hotel zitiert und 
dort befragt. Alle kannten die Schmidt, die all

218
00:24:57,920 --> 00:25:06,320
Kärntnerstraße und ihre Umgebung zu promenieren 
pflegte. Das reiche Freudenmädchen. Alle kannten

219
00:25:06,320 --> 00:25:12,480
sie als vermögend, ja sogar als reich. Bei 
ihnen rief der Mord größte Aufregung hervor,

220
00:25:12,480 --> 00:25:18,720
und von ihnen erfuhr man auch so manches über die 
Lebensweise der Schmidt. Auch in die Wohnung wurde

221
00:25:18,720 --> 00:25:25,160
geschickt. Das Dienstmädchen der Schmidt, Josefa 
Dolezal, ein einfaches Mädchen vom Lande,

222
00:25:25,160 --> 00:25:30,960
wurde auch ins Hotel berufen und dort 
einvernommen. Zunächst waren die Aussagen

223
00:25:30,960 --> 00:25:37,640
des Hotelpersonals von Bedeutung. Ihnen zufolge 
ist die Schmidt, die man im Hotel sehr gut kannte,

224
00:25:37,640 --> 00:25:46,760
mit einem 25- bis 27-jährigen Manne um halb 3 Uhr Früh ins 
Hotel gekommen. Der Portier empfing das Paar,

225
00:25:46,760 --> 00:25:52,120
das ein Zimmer verlangte. Er wies sie an das 
Stubenmädchen Marie Pogacnik, das die

226
00:25:52,120 --> 00:25:57,920
Schmidt und ihren Begleiter in den ersten Stock 
führte und ihnen das Zimmer Nr. 18 anwies.

227
00:25:57,920 --> 00:26:05,560
Sie machte eilig das Zimmer zurecht und verließ 
die beiden Besucher. Im Hotel war es ganz still.

228
00:26:05,560 --> 00:26:12,440
Es vergingen etwa 20 Minuten, als die Klingel 
ertönte. Das Stubenmädchen Pogacnik sah nach

229
00:26:12,440 --> 00:26:20,920
dem elektrischen Kontrollapparat: Zimmer Nr. 
18 rief. Sie eilte in den Vorraum. Als sie zur

230
00:26:20,920 --> 00:26:27,120
Tür kam, bemerkte sie als stummen Befehl die 
beiden Wasserkrüge auf dem Boden stehen. Sie

231
00:26:27,120 --> 00:26:34,640
füllte sie mit Wasser und eilte wieder zum Zimmer 
Nr. 18. Nun klopfte sie an die Türe. In diesem

232
00:26:34,640 --> 00:26:41,440
Momente trat der Gast eilig heraus und drängte 
sie etwas brutal zurück. Das Mädchen stellte die

233
00:26:41,440 --> 00:26:48,800
beiden Krüge mit Wasser auf den Boden und ging 
weg. Das war zwischen halb und drei Viertel 3 Uhr.

234
00:26:49,760 --> 00:26:56,400
Wieder vergingen 20 Minuten. Um diese Zeit verließen 
die Gäste vom Zimmer Nr. 20, das auf dem

235
00:26:56,400 --> 00:27:01,920
Hauptkorridor liegt, das Hotel. Als nun die 
Pogacnik zu diesem Zimmer gehen wollte,

236
00:27:01,920 --> 00:27:09,680
um es in Ordnung zu bringen, traf sie auf dem 
Treppenabsatz den Gast von Nr. 18 allein. Als er

237
00:27:09,680 --> 00:27:15,240
die Pogacnik sah, schien er etwas verlegen. 
Er wendete sich an sie mit den Worten: „Ah,

238
00:27:15,240 --> 00:27:22,560
sie will auch ein Trinkgeld haben.“ Dabei griff er 
lässig in die Tasche und gab ihr eine Krone. Dann

239
00:27:22,560 --> 00:27:28,800
erteilte er den Auftrag: „Sie, das Frauenzimmer, 
lassen Sie noch schlafen. Sie hat von innen

240
00:27:28,800 --> 00:27:35,680
abgesperrt. Ich komme zum zweiten Frühstück 
wieder.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich

241
00:27:35,680 --> 00:27:44,440
der Mann und seither hat man ihn nicht gesehen. 
Die Entdeckung der Tat. Als die Pogacnik nach

242
00:27:44,440 --> 00:27:50,280
geraumer Zeit durch das Milchglas der Tür einen 
Lichtschimmer sah, konnte sie sich nicht versagen,

243
00:27:50,280 --> 00:27:56,760
durch einen Türspalt zu blicken und sah zu ihrem 
Befremden, dass die „Schmidt-Mizzi“ ganz angekleidet

244
00:27:56,760 --> 00:28:02,840
der Länge nach auf dem Bette lag. Dass es nicht 
mit rechten Dingen zugehe, war ihr jetzt klar,

245
00:28:02,840 --> 00:28:09,400
und sie wollte sich Gewissheit verschaffen 
und klopfte erst leise, dann lauter an.

246
00:28:10,200 --> 00:28:17,640
Die angezogen auf dem Bett Liegende rührte sich 
nicht. Nun war ihr Verdacht Gewissheit geworden.

247
00:28:17,640 --> 00:28:23,640
In höchster Hast und Aufregung lief sie zum 
Portier und erzählte ihm, was sie gesehen habe.

248
00:28:23,640 --> 00:28:28,520
Beide gingen dann zu dem Zimmern Nr. 18 und 
der Portier öffnete mit seinem Reserveschlüssel

249
00:28:28,520 --> 00:28:35,560
die Türe. Im Bette liegend fanden sie dann die 
Schmidt mit kostbaren Brillant-Ohrgehängen in

250
00:28:35,560 --> 00:28:44,400
den Ohren tot. Der Portier verständigte sofort 
das Hauskommissariat. Es erschien sogleich eine

251
00:28:44,400 --> 00:28:50,040
Gerichtskommission am Platze. Im Zimmer selbst 
und im Vorraum wurden die ersten polizeilichen

252
00:28:50,040 --> 00:28:55,720
Einvernahmen gepflogen, die Regierungsrat 
Stukart leitete. Polizeipräsident Ritter von

253
00:28:55,720 --> 00:29:01,360
Brzesowsky blieb während der Verhöre auf dem 
Tatorte. Den Mitteilungen der einvernommenen

254
00:29:01,360 --> 00:29:07,320
Mädchen zufolge war die Schmidt sehr wohlhabend, 
eine Behauptung, die durch die Durchsuchung ihrer

255
00:29:07,320 --> 00:29:15,120
Wohnung bestätigt wurde. Man fand nämlich ein 
Sparkassebuch auf 33.000 Kronen lautend und

256
00:29:15,120 --> 00:29:22,600
einen Barbetrag von mehr als 400 Kronen in ihrer 
Wohnung vor. Sie hatte eine freigiebige Klientel,

257
00:29:22,600 --> 00:29:30,480
pflegte nur gute Bekannte in ihrem eigenen Heim zu 
empfangen. Mit Fremden besuchte sie bloß Hotels.

258
00:29:30,480 --> 00:29:36,120
Bei der Untersuchung der Leiche fiel auf, dass 
eine kostbare Broschennadel, die die Schmidt sonst

259
00:29:36,120 --> 00:29:43,240
immer zu tragen pflegte, fehlte. Das Stubenmädchen 
Josefa Dolezal hatte gesehen, dass ihre Herrin

260
00:29:43,240 --> 00:29:50,600
die Nadel mitgenommen hat. Sie ist jedenfalls vom 
Täter geraubt worden. Daraus, dass die Schmidt ein

261
00:29:50,600 --> 00:29:57,080
Vermögen besitze, hat sie nie einen Hehl gemacht. 
Alle ihre Bekannten wussten davon. Sie wussten

262
00:29:57,080 --> 00:30:02,760
auch, dass das Mädchen einen vornehmen Liebhaber 
hatte, einen Fabrikanten, den sie aber nur daheim

263
00:30:02,760 --> 00:30:08,960
zu empfangen pflegte und mit dem sie sich nie 
in der Stadt auf der Gasse zeigte. Am Vormittag

264
00:30:08,960 --> 00:30:14,440
erschien eine Gerichtskommission im Hotel. Die 
Kommission nahm den gerichtlichen Augenschein

265
00:30:14,440 --> 00:30:21,120
auf und stellte fest, dass die Schmidt erwürgt 
worden ist. Bei der Toten fand man einen Teil ihres

266
00:30:21,120 --> 00:30:27,840
Schmuckes. Geraubt wurden die Vorstecknadel mit 
Rubinen und Brillanten, ein goldenes Zuguhrarmband

267
00:30:27,840 --> 00:30:35,160
und eine goldene Damenuhr sowie ein Geldbetrag von 
mindestens 50 Kronen. Nach dem Lokalaugenschein

268
00:30:35,160 --> 00:30:41,400
dürfte der Täter die vor dem Bette stehende 
Schmidt am Halse gepackt und niedergedrückt haben.

269
00:30:41,400 --> 00:30:47,560
Als sie dann keinen Laut mehr vor sich gab, dürfte 
er die quer über das Bett Liegende dann gehoben

270
00:30:47,560 --> 00:30:53,520
und der Länge nach ins Bett gelegt haben. Die Tat 
wird wahrscheinlich gleich nach dem Betreten des

271
00:30:53,520 --> 00:30:59,480
Zimmers ausgeführt worden sein. Die Leiche wird 
gerichtlich obuziert werden und wurde im Laufe

272
00:30:59,480 --> 00:31:05,360
des Sonntags in die Totenkammer des Allgemeinen 
Krankenhauses gebracht. Vor der Aufnahme des

273
00:31:05,360 --> 00:31:11,160
gerichtlichen Augenscheins waren sowohl die Leiche 
als auch das Tatbild polizeilich fotografiert

274
00:31:11,160 --> 00:31:18,320
worden. Die Einvernahmen dauerten den ganzen Tag 
über. Am Nachmittag hat die Polizeidirektion eine

275
00:31:18,320 --> 00:31:25,600
Belohnung von 1.000 Kronen auf die Erruierung des 
Täters ausgesetzt. Folgende Kundmachung wurde

276
00:31:25,600 --> 00:31:32,560
erlassen. Heute zwischen halb drei und drei Uhr nachts 
ist im Hotel Römischer Kaiser, 1. Bezirk, Annagasse

277
00:31:32,560 --> 00:31:40,280
16 die Prostituierte Marie Schmidt, 4. Bezirk, 
Rittergasse 6 wohnhaft gewesen, ermordet worden.

278
00:31:40,280 --> 00:31:47,240
Es scheint ein Raubmord vorzuliegen. Geraubt 
wurden anscheinend mindestens 50 Kronen bar in

279
00:31:47,240 --> 00:31:54,640
10- und 20-Kronen-Noten, eine Brillantbusennadel 
ca. 8 bis 10 cm lang, mit Brillanten und Rubinen

280
00:31:54,640 --> 00:32:00,480
besetzt, mit Sicherheitskette, an einem 
Ende in einen runden Knopf auslaufend,

281
00:32:00,480 --> 00:32:06,040
welcher in der Mitte mit Rubinen und ringsherum 
mit Brillanten besetzt ist, sowie ein goldenes

282
00:32:06,040 --> 00:32:13,400
Zuguhrenarmband mit länglichen Gliedern und mit 
einer goldenen Damen-Remontoir-Uhr, welche innen am

283
00:32:13,400 --> 00:32:22,080
Rande mit Brillanten besetzt ist. Verdächtig ist 
ein Mann, ca. 25 bis 28 Jahre alt, mittelgroß,

284
00:32:22,080 --> 00:32:29,360
schlank, mit dunklem Anzuge, braunem, weichem, 
niedrigem Hute und Lackschuhen. Für jene Personen,

285
00:32:29,360 --> 00:32:35,240
welche Angaben machen können, die zur Eruierung 
des Täters führen, ist eine Gesamtbelohnung von

286
00:32:35,240 --> 00:32:42,400
1.000 Kronen ausgesetzt, deren Verteilung sich mit 
Ausschluss des Rechtsweges die Polizeidirektion

287
00:32:42,400 --> 00:32:50,680
vorbehält. Von anderer Seite erfahren wir: Marie Schmidt 
war eine mehr als mittelgroße, schlanke Person

288
00:32:50,680 --> 00:32:56,760
von hübschem und distinguiertem Äußeren. Sie trug 
sich auch hochelegant und war in den Kreisen der

289
00:32:56,760 --> 00:33:03,320
Freundinnen viel beneidet. Marie Schmidt war 29 
Jahre alt. Nach ihrem Aussehen hätte man sie aber

290
00:33:03,320 --> 00:33:10,560
für 20 Jahre halten können. Sie hat sich gepflegt 
und hat auch ihr Heim möglichst rein gehalten. Sie

291
00:33:10,560 --> 00:33:16,640
empfing dort nur gute Bekannte und nie einen 
Fremden. Sie scheint auch einen Drang nach

292
00:33:16,640 --> 00:33:24,680
Höherem gehabt zu haben und hat für ihre Bildung 
viel getan. Ihr Heim war mit großer Eleganz eingerichtet.

293
00:33:24,680 --> 00:33:31,080
Perserteppiche bedecken den Boden. Die Möbel 
sind von der modernsten Fasson sehr elegant.

294
00:33:31,080 --> 00:33:38,240
Das Schlafzimmer ist ganz neu und hat 1.300 
Kronen gekostet. Im August gedachte die Schmidt

295
00:33:38,240 --> 00:33:43,440
auszuziehen. Sie hatte schon eine Wohnung 
in Mariahilf gemietet und deshalb ihr altes

296
00:33:43,440 --> 00:33:49,120
Schlafzimmer um 600 Kronen an einem Trödler 
verkauft. Den Erlös benutzte sie teilweise

297
00:33:49,120 --> 00:33:56,040
zum Ankauf einer Persianerjacke, die 1.300 Kronen 
gekostet hat. Früher hatte sie eine Kollegin als

298
00:33:56,040 --> 00:34:02,240
Aftermieterin bei sich, eine gewisse Lotte G., doch 
schon seit längerer Zeit lebte sie allein mit der

299
00:34:02,240 --> 00:34:09,680
Magd Josefa Dolezal, die seit Januar bei ihr 
im Dienste war und 32 Kronen Lohn und 6 Kronen

300
00:34:09,680 --> 00:34:16,480
Nachtmalgeld bezog. In den beiden Zimmern stehen 
überall kostbare Nippes herum. Der Wäschekasten

301
00:34:16,480 --> 00:34:21,680
ist mit der feinsten Wäsche angefüllt, die zum 
großen Teile mit feinen Spitzen besetzt ist.

302
00:34:22,280 --> 00:34:28,120
Im Kasten befand sich auch das Einlagebuch der 
Länderbank auf 33.000 Kronen, in einer Schublade

303
00:34:28,120 --> 00:34:35,200
der Betrag von 460 Kronen. Marie Schmidt hatte 
auch eine ziemlich reichhaltige Bibliothek, zum

304
00:34:35,200 --> 00:34:42,400
großen Teil belletristische Literatur neuesten 
Erscheinens. Einige Bücher tragen Widmungen.

305
00:34:42,400 --> 00:34:48,160
Auch eine Grammatik für Lycealschülerinnen 
fand sich im Kasten. Marie Schmidt soll

306
00:34:48,160 --> 00:34:59,760
früher Dienstmädchen gewesen sein. Sie hatte 
einen Bruder, der bei der Post bedienstet ist.

307
00:35:05,160 --> 00:35:06,160
[Musik]

308
00:35:06,160 --> 00:35:12,880
Ja, der Mörder von Marie Schmidt wurde also eines 
Wissens nie gefasst. Eine Vermutung war, dass

309
00:35:12,880 --> 00:35:20,240
der Mörder gar kein Wiener war und Wien wohl rasch 
nach diesem Mord verlassen hat, denn dieser Satz,

310
00:35:20,240 --> 00:35:27,280
den er da gesagt hat mit dem „zweiten Frühstück“, 
das war eine unübliche Redewendung in Wien.

311
00:35:27,800 --> 00:35:34,120
Tja, mysteriös. In diesem Sinne, ich 
verabschiede mich und freue mich,

312
00:35:34,120 --> 00:35:47,880
wenn Sie das nächste Mal wieder bei 
den „Monarchie-Morden“ mit dabei sind.

313
00:35:47,880 --> 00:36:02,780
[Musik]

314
00:36:02,780 --> 00:36:17,680
[Musik]

315
00:36:17,680 --> 00:36:25,140
[Musik]

316
00:36:25,140 --> 00:36:32,600
[Musik]
